Vor etwas über einer Woche haben islamfaschistische Massenmörder in Madrid über
200 Menschen in die Luft gejagt. Die Reaktion großer Teile der spanischen
Bevölkerung war zunächst die Forderung nach einer Zerschlagung der ETA. Als
jedoch feststand, dass nicht baskische Seperatisten, sondern die Al Qaida hinter
den Anschlägen stand, war von der Forderung nach einem Kampf gegen die Mörder
nicht mehr viel zu hören. „Paz!“ lautete auf einmal der millionenfache Ruf. „Pace!“,
„Frieden!“ Und nur einen Tag nach seiner Wahl kündigte der designierte spanische
Ministerpräsident Zapatero den Rückzug der spanischen Truppen aus dem Irak an.
„Al Qaida mordet, wir gehorchen“: so lautet die Botschaft dieses beispiellosen
politischen Opportunismus’. Geradezu eine Einladung an die Mörder, in Rom oder
Warschau das nächste Massaker zu begehen.
Weder der 11. September noch die Attentate im Irak oder der Türkei und selbst
nicht das Massaker von Madrid haben offenbar ausgereicht, das innige Band
zwischen den Islamisten und den weltweiten Massenbewegungen zu zerreißen. Das
Band des Hasses auf die USA und Israel, das Band der Liebe zu völkischen
Befreiungskämpfen. Als am 11. 9. 2001 das World Trade Center in sich
zusammenstürzte und 3000 Menschen den Tod fanden, höhnte die versammelte Front
der Antiglobalisten, dass sowas doch von sowas käme. Noam Chomsky, Arundhati Roy
und Friedrich Schorlemmer waren sich einig, dass in den Flugzeugen arme
Unterdrückte gesessen hätten, denen Amerika und Israel ihr Land und ihre Kultur
wegnehmen wollten. Unterdrückte, die sich nicht anders mehr zu wehren wüssten.
Und die Massenbewegungen selbst, die sich auf den Weltsozialforen und bei den
Gipfeln von WTO und Weltbank treffen, fühlten mit ihnen. Auch ihnen erscheint
die ominöse Globalisierung einerseits als abstrakte Bedrohung von Außen, die sie
nicht begreifen können. Andererseits projizieren auch sie das Abstrakte auf die
gleichen, ganz konkreten Weltfeinde, wie die Islamisten und panarabischen
National-Sozialisten auch: auf die USA, auf Israel.
Sie mögen aus ganz moralischen Beweggründen handeln, sie mögen es nicht
verstehen wollen, warum im Krieg Menschen sterben müssen und subjektiv deshalb
gegen diesen Krieg auf die Straße gehen. Tatsächlich finden sie mit ihren
Ressentiments Anschluss an den antizivilisatorischen Amoklauf von Al Qaida, an
den barbarischen, antiimperialistischen Terror der Baathisten, an die
antisemitische Internationale.
Den Krieg gegen den Baathismus hat der Global Peace Mob als Krieg gegen sich
selbst begriffen. Nun entdeckt er im sogenannten Widerstand der Terroristen den
völkischen Befreiungskampf gegen den Gesamtimperialisten USA, den selber zu
führen ihm die Möglichkeit fehlt. Vor dem Terror zurückzuweichen statt ihn zu
bekämpfen, erscheint den Antiglobalisten als logisch, auch wenn er sie in
Lebensgefahr bringt. In ihrer Wahrnehmung ist der Krieg gegen die Zivilisation
eine gerechte Sache, selbst wenn sie finden, er werde von den falschen Leuten
mit den falschen Mitteln geführt.
Im Kalten Krieg erschienen die USA als Gegner der Emanzipation in
kommunistischer Absicht. Sie kämpften gegen Bewegungen, die zumindest dem Namen
nach das Ziel der allseitigen Emanzipation der Individuen gegen Staat und
Kapital hochhielten. Mittlerweile ist von diesen Bewegungen nichts geblieben als
das reaktionär-völkische Ressentiment gegen liberale Bürgerlichkeit, gegen die
Aufklärung und die Zivilisation. Statt die Emanzipation zu fordern, betreiben
sie die Regression zur Barbarei der autochthonen Völker. Und der Global Peace
Mob des Westens macht mit.
Diese Entwicklung bringt ausgerechnet die USA als kapitalistische Weltmacht in
die Position, die letzten Verteidiger jener Bürgerlichkeit zu sein, die
irgendwann zu ihrer eigenen Aufhebung führen könnte. Mit ihrem „War on Terror“,
mit ihrem Angriff auf die Regimes des Nahen Ostens, nehmen sie die Rolle
derjenigen ein, die die zivilisatorischen Restposten gegenüber der Barbarei
verteidigen. Die - ganz konkret - der faschistischen Herrschaft des Baathregimes
ein Ende bereitet haben.
Der Global Peace Mob hält sich für den Hort der Emanzipation; tatsächlich ist er
mit seinen Massendemos gegen den Krieg und damit für das Baathregimes zum Gegner
jeglicher emanzipatorischer Bestrebung geworden.
Man hat sich deshalb zu entschieden. Zu Entscheiden für den Krieg, der zumindest
im Irak dem Vormarsch der Barbarei ein Ende bereitet hat. Für den Krieg gegen
den antisemitischen, nationalen Sozialismus der Baathpartei. Das Regime selbst
war in fünf Wochen besiegt. Was in Bagdad, Basra oder Kirkuk der Emanzipation zu
wenigstens bürgerlichen Verhältnissen jetzt noch im Wege steht, ist – anders als
in Afghanistan – nicht die Ökonomie. Der Irak ist ein reiches Land. Die die
Iraker jetzt noch an ihrer Freiheit hindern, sind nicht die amerikanischen,
britischen oder polnischen Besatzungstruppen. Es ist der sogenannte Widerstand,
es sind die islamistischen oder panarabischen Faschisten. Es ist die völkische
Reaktion, die vom Global Peace Mob bereitwillige Unterstützung erfährt.
Sie reden von der Freiheit des irakischen Volkes. Die Freiheit der Iraker als
Individuen wäre ihre Niederlage.