Mittwoch, 19. 10., 20.00 Uhr
Café KoZ, Uni Frankfurt, Jügelstr. 1

Der ganze Südosten ist unser Hinterland
Deutsche Südosteuropapläne von 1840 bis 1945

Mit dem Autor Klaus Thörner (Oldenburg)

  Analysen zur aktuellen deutschen Südosteuropapolitik blieben bisher weitgehend geschichtslos. Eine umfassende Darstellung der Südosteuropapolitik des Deutsches Reiches vom Kaiserreich über die Weimarer Republik bis zum Nationalsozialismus, die Voraussetzung für die Frage nach historischen Bezügen oder Kontinuitäten der heutigen Politik wäre, liegt bis heute nicht vor. Thörners Untersuchung erhebt nicht den Anspruch, als Darstellung der gesamten deutschen Südosteuropapolitik zwischen 1840 und 1945 zu gelten. Im Mittelpunkt stehen vielmehr langfristige Konzeptionen und deren ideologische Begründungsmuster, die im Kontext der wirtschaftlichen und politischen Rahmenbedingungen betrachtet werden. Dabei ist die Frage leitend, inwiefern sich Kontinuitäten in den historischen Zielsetzungen deutscher Südosteuropapolitik und ihren Begründungen zeigen. Klaus Thörner analysiert die ausschlaggebenden Planungen des deutschen „Drangs nach Südosten“ von 1840 bis 1945.Dieser wurde bisher, im Gegensatz zum „Drang nach Osten“, kaum kritisch unter die Lupe genommen.
 

Donnerstag, 20. 10., 19.30 Uhr
Jüdisches Museum Frankfurt, Untermainkai 14/15

Der ewige Antisemit –
Über Sinn und Funktion eines beständigen Gefühls

Mit dem Autor Henryk M. Broder (Berlin/Jerusalem)

  „Der ewige Antisemit“ war eines der kontroversesten Bücher der achtziger Jahre – aufgrund einer einstweiligen Verfügung wurde es sogar kurzzeitig aus den Buchhandlungen genommen. Es löste heftige Reaktionen aus,weil es nicht den klassischen Antisemitismus der judenfeindlichen Rechten beschrieb, sondern den Antizionismus im linken und fortschrittlichen Milieu. Heute, fast zwanzig Jahre später, haben Antisemitismus und Antizionismus nichts von ihrer Virulenz verloren, im Gegenteil, sie haben sich von den Rändern der Gesellschaft zur Mitte hin verlagert.Was als "neuer Antisemitismus" bezeichnet wird, ist nur eine Spielart des altbekannten Ressentiments, das sich als immun gegen jede Form der Aufklärung erwiesen hat. Deswegen hat Broders Pamphlet nichts von seiner Aktualität verloren. Die Originalausgabe von 1986 wurde um ein langes Kapitel und viele Beispiele ergänzt - auf den letzten Stand einer Geschichte, die nicht vergehen will.
 

Freitag, 21. 10., 20.00 Uhr
Café Kurzschlusz, FH Frankfurt, Kleiststr. 5

„Insel der Aufklärung – Israel im Kontext“

Mit der Herausgeberin Alexandra Kurth (Giessen)

  Der Staat Israel steht seit geraumer Zeit im Kreuzfeuer der internationalen Kritik, auch in den deutschen Medien überwiegt eine ablehnende Haltung gegenüber seiner Politik, die sich dem Selbstverständnis nach nicht gegen die Mehrheit der palästinensischen Bevölkerung richtet, sondern gegen die terroristischen Strukturen in den Autonomiegebieten. Für die Mehrheit der Deutschen wie auch für die Europäer/innen spielt dies jedoch keine Rolle: Laut des Flash Eurobarometer der Europäischen Kommission von 2003 stufen 59 Prozent der Europäer/innen und 65 Prozent der Deutschen Israel als „Gefahr für den Weltfrieden“ ein und mehr als die Hälfte aller Deutschen sind der Auffassung, dass sich das Verhalten Israels gegenüber den Palästinensern im Prinzip nicht von dem der Nazis im Dritten Reich gegenüber den Juden unterscheidet. Die Autor(inn)en des neu erschienenen dritten Bandes der Schriften zur politischen Bildung, Kultur und Kommunikation eint bei allen politischen und wissenschaftstheoretischen Differenzen der Ärger über derlei antisemitische Ressentiments und Vorurteile. Ihnen soll aus unterschiedlicher Perspektive etwas entgegengesetzt werden.
 

Samstag, 22.10., 20.00 Uhr
Café Kurzschlusz, FH Frankfurt, Kleiststr. 5

„Kritik und Parteilichkeit –
Über die Zukunft der Israelsolidarität“

Mit dem Bahamas-Redakteur Justus Wertmüller (Berlin)

  Anschließend: Party (der Erlös geht in den Druck des Readers der Veranstaltungsreihe Tough baby) Kein in der Öffentlichkeit gezeigtes Symbol erregt den spontanen Haß so vieler Volksgenossen wie die in den Farben blau und weiß gehaltene Fahne mit dem Davidsstern. Dieser Haß einigt Neonazis mit Linksliberalen, die Frankfurter Rundschau mit der Süddeutschen Zeitung, den Stadtpfarrer mit dem Imam. Wie und mit wem lassen sich die wenigen Aufrechten stärken, die wissen, daß zwischen sogenannter Israelkritik und dem Solidarpakt mit palästinensischen Terrorrackets in aller Regel kein Unterschied besteht? Mehr Aufklärungsarbeit über den palästinensischen und arabischen Antisemitismus,Kampagnen gegen prominente Feinde Israels oder auch die Werbung für ein differenzierteres Bild vom jüdischen Staat? Es werden neue Bündnispartner ins Spiel gebracht: Die konservativ-liberale Öffentlichkeit, bislang zum Thema Israel eher verhaltene jüdische Organisationen, die Vereinigten Staaten von Amerika.Wäre es nicht sinnvoller, so fragen sich manche, die Bemühungen um mehr Solidaritätmit Israel von der unversöhnlichen Kritik an den deutschen Verhältnissen abzukoppeln? Sollte man nicht endlich aufhören, den politischen Islam als einen zentralen Gegner zu benennen? Sollte man nicht sogenannten ideologischen, sprich der kritischen Theorie verpflichteten „Ballast“ abwerfen um endlich einflußreicher zu werden?

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