Nieder mit dem Ba’th-Regime!
Freiheit für die Bevölkerung des Irak!
An der FH Frankfurt kursiert seit letzter Woche ein Flugblatt, dass mit Forderungen wie „Stoppt Bushs Krieg! Freiheit für Palästina! Stoppt den Rassismus!“ überschrieben ist. Da wir den Inhalt des Flugblattes nicht widerspruchslos hinnehmen können, kurz dazu Folgendes:
Die Ba’th-Partei des Saddam Hussein wurde 1943 nach Vorbild der NSDAP in Damaskus von arabischen Nationalisten gegründet[1], die von Nazi-Deutschland unter anderem das Recht einforderten, „die Frage der jüdischen Elemente, die sich in Palästina befinden, so zu lösen, wie es den nationalen und völkischen Interessen der Araber entspricht, und wie die Judenfrage in Deutschland gelöst worden ist.“[2] So gehören zu den Freunden des irakischen Diktators Saddam Hussein unter anderem Jean-Marie Le Pen (FN) und Jörg Haider (FPÖ).
Seit Machtantritt des Ba’th-Regimes sind im Irak nach Schätzungen circa 1,5 Millionen Menschen in den Folterkellern verschwunden oder ermordet worden. Dass wohl bekannteste Beispiel eines Massakers im Irak ist das vom März 1988 im kurdischen Halabja, bei dem durch Giftgasangriffe der irakischen Luftwaffe innerhalb weniger Stunden fast 7000 Menschen getötet wurden. Weniger bekannt ist die Verfolgung irakischer Kurden im selben Jahr, bei der etwa 150.000 Menschen ermordet wurden. Mitverantwortliche für diesen Giftgasangriff waren auch damals maßgeblich deutsche Firmen, die sich mit Wissen und Unterstützung der Bundesregierung auch noch heute – Embargo hin oder her – bester Kontakte zur irakischen Wirtschaft erfreuen. Weitere Massaker folgten in den 90er Jahren in irakischen Gefängnissen, bei denen auch mehrere zehntausend Oppositionelle ermordet wurden.
Das Ba`th-Regime hat im Inneren einen menschenverachtenden und mörderischen Unterdrückungsapparat aufgebaut, dem unzählige Menschen, wie Homosexuelle, kurdische oder Menschen schiitischen Glaubens, ‚unangepasste’ Frauen, die nicht mit der wahnhaften Ideologie des Ba’thismus ‚kompatibel’ sind, zum Opfer fielen bzw. fallen. Hauptverantwortlich für die Armut der irakischen Bevölkerung ist jedoch weder das UN-Embargo noch der US-Imperialismus oder gar der ‚Zionismus’ als halluzinierte jüdische Weltverschwörung, sondern die korrupte Machtclique um Saddam Hussein, die die Militarisierung der irakischen Wirtschaft exzessiv betreibt und die Reichtümer des Landes unter sich aufteilt. Denn „die seit 1990 auf dem Lande lastenden UN-Sanktionen haben (.) den Idealfall ba’thistischer Herrschaft als Maßnahme von außen im Lande reproduziert: Eine Bevölkerung, die zur Untätigkeit gezwungen, auf Gedeih und Verderb von Lebensmittelrationen abhängt, deren Verteilung das Regime kontrolliert.“[3]
Nach außen hin ist die Staatsdoktrin des Irak vom arabischen Nationalismus bestimmt, der die Vernichtung des Staates Israel zum Ziel hat. So wurden schon während des zweiten Golfkrieges 37 Scud-Raketen auf Israel abgeschossen, obwohl Israel - wie auch in der aktuellen Situation - sich jeglicher Beteiligung im ‚Golfkrieg’ enthielt. Gleichzeitig alimentiert das Saddam-Regime die Familien palästinensischer Selbstmordattentäter und unterhält auf seinem Territorium Ausbildungsstätten für die eleminatorischen Antisemiten von Hamas, Jihad-al-Islamija & Co.
Wer jedoch, wie die Schreiberlinge des erwähnten Flugblattes, von den Palästinensern als besondere „Opfer dieser imperialistischen Politik“ im Nahen Osten schwafelt, Israel als „Lakaien“ der USA wahrnimmt, der Millionen Palästinenser von ihrer ‚heimatlichen Scholle’ vertreibt und von einer systematischen Zerstörung der Lebensgrundlagen und der geplanten Vertreibung Zehntausender Palästinenser im Rahmen des Irak-Krieges lügt, der bedient sich freimütig Unterstellungen, Halbwahrheiten und Gerüchten aus dem Arsenal des wahnhaften Antisemitismus. War früher das Bild des jüdischen Brunnenvergifters im antisemitischen Repertoire zu finden, ist hier ist die Benennung der -vermeintlichen- Sprengung von Wasserbrunnen durch die israelische Regierung oder aber auch die Identifikation der israelischen Flagge mit „Kriegstreibern“ beispielhaft für die pathischen Projektionen des Vernichtungswillens der Antisemiten auf ihre Opfer.
Die Existenz des Staates Israel ist aber vor allem der bisher konkretesten Durchführung des Projektes der Vernichtung aller Juden durch die Deutschen, der Shoah, geschuldet. Schon in den Jahren 1936 bis 1939 formierte sich in den heutigen Autonomiegebieten die Bewegung des fanatischen Antisemiten und Hitler-Verehrers Amin Hadsch al-Husseini, des Großmufti von Jerusalem, welche bspw. die gesamte jüdische Bevölkerung Hebrons ermordete. Besagter al-Husseini gründete im Sommer 1944 die aus muslimischen Freiwilligen bestehenden SS-Divisionen „Skanderbeg“ und „Handschar“. Außerdem sorgte er dafür, dass 5 000 jüdische Kinder aus Ungarn nicht nach Palästina flüchten konnten und deswegen in den Vernichtungslagern der Deutschen ermordet wurden. Al-Husseini wird dafür noch heute von arabischen Nationalisten und Islamisten gleichermaßen verehrt, so von Arafat, der ihn in einem Interview als seinen Helden bezeichnete. [4]
Dem Sieg der Alliierten und damit auch der USA ist es zu verdanken, dass die totale Vernichtung der Juden nicht vollendet werden konnte. Der Staat Israel sollte fortan sicherstellen, dass sich Auschwitz nicht wiederhole und war dennoch von Anfang an den Vernichtungsambitionen der arabischen Nachbarländer in mehreren Kriegen ausgesetzt. Dieses Ziel verfolgen auch die Selbstmordattentäter, denen es nicht um eine Verbesserung der gesellschaftlichen Lage in den Palästinensische Autonomiebehörde (PA) geht, sondern alleine um die Tötung möglichst vieler Juden. Es diesen gleich zu tun, dazu wird täglich in Moscheen, Schulen, Radio- und Fernsehsendern der PA aufgerufen,[5] Institutionen, die auch maßgeblich von der EU finanziert worden sind[6]. Lynchjustiz an vorgeblich zionistischen Agenten, Homosexuellen und anderen, die nicht ins völkische Gemeinschaftskonstrukt zu passen scheinen, sind in den palästinensischen Autonomiegebieten (PAG) an der Tagesordnung,[7] während es in Israel als einziger Demokratie im Nahen Osten möglich ist, staatliches Handeln auf seine Rechtmäßigkeit zu überprüfen (Rechtsstaat).
Seit den Anschlägen vom 11. September und der weltweit stattfindenden Angriffe auf Juden und jüdische Einrichtungen, treten muslimische Fundamentalisten, völkische Rechte und linke Antiimperialisten immer offener auch gemeinsam in der Propagierung ihres Ziels auf: der Auslöschung der Errungenschaften der bürgerlichen Gesellschaft (Freiheitsrechte und Individualität) sowie der von ihnen damit assozierten Staaten USA und Israel.
In der BRD und Österreich gab es z.B. Treffen zwischen islamistischen Gruppen, wie der Hizb ut-Tahir mit NPD-Funktionären[8], Mitglieder aus Gruppen wie „Linksruck“ brüllten gemeinsam mit Palästinensern auf dem Frankfurter Paulsplatz „Juden raus“[9] und Neonazis dürfen auf linken Friedensdemonstrationen mitmarschieren.[10] Wer sich von solchen Umtrieben nicht entsprechend zu distanzieren weiß, hat sich schon längst für die völkische Barbarei und gegen die Möglichkeit der Aufhebung kapitalistischer Vergesellschaftung in emanzipatorischer Absicht entschieden.
Gegen den völkischen Antiimperialismus!
Kampf dem Antisemitismus, nie wieder Auschwitz!
AK Kritische Theorie der FH Frankfurt, am 23.3.03
[1]
Vgl. von der Osten-Sacken, T. & Fatah, A. (Hg), Saddam Husseins letztes
Gefecht?, 2002, Hamburg
[2]
T. Uwer, Im Sozialismus der edlen Seelen,. in: ebd. S.77f